Gedankenspiralen? Was nun?

Teil 3 meines Mini-Meditationskurses

Du hast den richtigen Ort zum Meditieren, die richtige Meditationshaltung, die richtige Atmung- und kommst im Kopf nicht zur Ruhe.

Meditation soll den Kopf frei machen und unnötige Gedanken vertreiben. Doch das gelingt nicht immer. Selbst Zen-Meister und langjährig erfahrene Meditierende kennen das Problem.

Es gibt Tage, wenn wieder alles zu hektisch war, da kommt man innerlich einfach nicht zur Ruhe. Immer wieder kommen heimlich im Hintergrund fiese Gedanken hervorgekrochen und werden langsam lauter und aufdringlicher.

Während der Meditation soll man nicht denken. Und doch passiert es (jedem). Unser Hirn ist nun mal zum Denken da, und das tut es auch. Ob wir es nun wollen oder nicht.

Unser Geist braucht also Beschäftigung und eine Lektion, um zu begreifen, dass er uns gehorchen soll und nicht umgekehrt.

Der alte Holzfäller

Dazu gibt es eine sehr schöne alte Geschichte:

Es war einmal ein sehr alter Holzfäller. Er fühlte, dass er bald die schwere Arbeit im Wald und im Hause nicht mehr würde erledigen können. Er wünschte sich einen starken Diener, der all diese schweren Arbeiten für ihn erledigen konnte. Und so betete er täglich zu den Göttern um einen Diener.

Ein Gott erhörte seinen Wunsch und erschien ihm. „Dein Wunsch soll erfüllt werden, Holzfäller“, sagte er. “Ich werde dir einen Riesen schicken, der all deine Arbeiten für dich ausführen kann. Doch du musst ihn immerzu beschäftigen. Gelingt dir dies nicht, wird er dich auffressen. Hast du das verstanden? Du musst ihn unentwegt beschäftigen!“

„Ja, ja mein Herr! Ich werde ihn immerzu beschäftigen! Jetzt wird es mir gut gehen und ich werde meine Ruhe finden.“

Der Riese erschien und der alte Mann befahl ihm: “Putze mein Haus!“ Der Riese eilte davon und erschien nach wenigen Minuten wieder und das Haus war vollständig geputzt.

„Jäte nun den Garten!“

Der Riese jätete den Garten und war nur fünf Minuten später fertig und fragte: „Meister, was soll ich tun?“

„Geh in die Stadt und trage meine eingekauften Waren hierher“, sagte der Holzfäller. Kaum ausgesprochen war der Riese mit den Waren zurück und fragte: „Meister, was soll ich jetzt tun? Wenn du mir nichts aufträgst, fresse ich dich auf!“

Der Holzfäller erschrak sehr und eilte zu einem Weisen. Er trug sein Problem vor und der Weise überlegte kurz. Dann sagte er: “Rufe den Riesen her und trage ihm auf, den größten Baum im Wald zu fällen und hierher zu bringen. Dann befiehlst du ihm in die Krone des Baumes zu steigen, und wenn er oben ist, sofort wieder hinunterzuklettern. Wenn er unten angekommen ist, wiederholst den Befehl. Er soll ununterbrochen hinauf und wieder herabsteigen.“

Der Riese tat also, wie ihm geheißen. Nachdem er in den Wald gelaufen war und den größten Baum herausgerissen hatte, stieß er ihn in den Boden vor der Hütte des Alten. Er kletterte hinauf und hinunter. Stunde um Stunde und Tag für Tag kletterte er ohne Pause. Er kletterte, bis auch ihm endlich die Kräfte schwanden.

Der Riese kniete sich endlich vor den Alten und sprach: „Bitte lass mich nicht mehr unablässig den Baum hinauf und hinunterklettern. Es ist so sinnlos und beraubt mich meiner Kräfte. Ich werde Dich nicht mehr belästigen, wenn ich nur nicht mehr klettern muss. Ich verspreche Dir, dich nicht zu fressen wenn Du mir auch keine Aufgabe gibst.“

Der Holzfäller hatte nun einen Diener, der alle Arbeiten für ihn erledigte, und fand endlich die Ruhe, die er sich gewünscht hatte.

Wenn wir unseren Geist mit einer Aufgabe beschäftigen, die wir kontrollieren, wird er irgendwann von selbst mit unablässigen Gedankenspiralen aufhören. Unser Unterbewusstsein muss nur selbst zu der Erkenntnis kommen, wie unnütz Grübeln und Gedankenspiralen sind und diese von selbst einstellen. Auf unser Unterbewusstsein haben wir keinen direkten Einfluss. Nur der Umweg über eine nutzlose und kontrollierbare Beschäftigung bringt hier Erfolg.

Zählen

Die einfachste Form ist das Zählen. Bei jedem Einatmen zählen wir in Gedanken. Beginnend bei eins wird bei jedem neuen Ausatmen eins hochgezählt. Die Zahl dehnen wir in Gedanken über die ganze Zeit des Austmens.

„eiiiiiiiiiiiissssssssssssss“

„zweiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii“… usw.

Wir zählen nur beim Ausatmen! Es wird nur von eins bis zehn gezählt. Dann geht es wieder bei eins los. Wenn wir uns verzählen, fangen wir bei wieder bei eins an. Wenn wir über zehn gezählt haben, fangen wir wieder bei eins an. Wenn wir vergessen zu zählen, fangen wir wieder bei eins an.

Du wirst dich wundern, wie oft du dich verzählst, vergisst oder über zehn bist. Immer dann haben sich, heimlich und unbemerkt, Gedanken eingeschlichen.

Diese Übung ist sehr wichtig für deine Konzentration. Irgendwann kehrt von selbst Ruhe ein. Du verzählst dich nicht mehr. Deine Konzentration steht wie eine Festung. Ganz nebenbei schult die Übung auch deine Geduld und den festen Willen.

Disziplin ist alles!

Es gibt noch mehr Übungen dieser Art. Meditieren mit einem Mantra zum Beispiel. Wichtig ist eigentlich nur die Disziplin und das Durchhaltevermögen dabei. Wer das schafft (wir sprechen hier von Monaten oder auch länger) wird mit einer sehr guten Konzentration und Selbstdisziplin belohnt. Nichts wird dich dann noch aus der Bahn werfen oder ungeduldig machen. Der Gleichmut wird dein Wesen bereichern.

Dein Atem ist dabei immer der Anker. Die tiefe Bauchatmung holt dich immer wieder an die Oberfläche deines Bewusstseins zurück.

Teste es aus und baue es in deine tägliche Meditation mit ein.

Der Erfolg kommt leise, aber die Veränderung in dir bleibt ein Leben lang!

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